Ab 2027 wird es ernst: Mit dem Start des neuen europäischen Emissionshandels (ETS 2) werden fossile Brennstoffe im Gebäudesektor verpflichtend bepreist. Gleichzeitig steigt der bestehende CO₂-Preis im Stromsektor weiter.
Für energieintensive Betriebe bedeutet das: deutlich steigende Energiekosten – und damit erhebliche Auswirkungen auf Profitabilität, Liquidität und Wettbewerbsfähigkeit.
Wie stark die Belastung ausfallen kann, zeigt eine Beispielrechnung für ein Energieintensives Unternehmen eindeutig: Das Ergebnis ist eindeutig: Steigende CO₂-Kosten können in wenigen Jahren den Großteil des Gewinns aufzehren.
Beispiel:
Für die Berechnung nutzen wir ein realitätsnahes Szenario:
- Umsatz: 3.100.000 €
- Gewinn: 150.000 €
- 50 % Strom / 50 % Wärme
- Durchschnittspreis pro Nacht: 120 €
- Gewinnmarge: 5 % → 150.000 € Gewinn/Jahr
Energieverbrauch und CO₂-Emissionen
Jahresverbrauch (brutto): 3.100.000 kWh pro Jahr
Davon:
- 1.300.000 kWh Strom
- 1.800.000 kWh Wärme (z.B. Gas)
Mit konservativen Emissionsfaktoren gerechnet:
| Energieträger | Menge | Faktor | CO₂-Emissionen |
|---|---|---|---|
| Strom | 1.300.000 kWh | ca. 0,363 kg CO₂/kWh | 471,90 t CO₂ |
| Wärme (Gas) | 1.800.000 kWh | ca. 0,201 kg CO₂/kWh | 361,80 t CO₂ |
→ Gesamtemissionen des Unternehmens: 833,70 t CO₂ pro Jahr
Diese Zahl ist entscheidend – denn ab 2027 werden je Tonne CO₂ direkte Kosten fällig.
CO₂-Preis 2027: Welche Kosten kommen realistisch auf Unternehmen zu?
Für die Jahre ab 2027 werden in Analysen und Marktprognosen CO₂-Preise zwischen 80 € und über 150 € pro Tonne angenommen.
Berechnung: CO₂-Kosten = 833,70 t × CO₂-Preis
Szenario 1: 80 €/t CO₂
→ Zusatzkosten pro Jahr: 66.696 €
Szenario 2: 110 €/t CO₂
→ Zusatzkosten pro Jahr: 91.707 €
Szenario 3: 150 €/t CO₂
→ Zusatzkosten pro Jahr: 125.055 €
Was bedeutet das für den Gewinn eines Hotels?
Ausgangssituation:
Gewinn: 150.000 € pro Jahr (5 % Marge)
Vergleich Zusatzkosten vs. Gewinn:
| CO₂-Preis | CO₂-Mehrkosten | Anteil am Gewinn |
| 80 €/t | 66.696 € | 45 % |
| 110 €/t | 91.707 € | 62 % |
| 150 €/t | 125.055 € | 85 % |
Fazit: Schon bei moderaten CO₂-Preisen gehen 50–80 % des Gewinns verloren. Ein Anstieg des CO₂-Preises über 150 €/t kann den Gewinn vollständig auffressen.
Abschließende Überlegung: Preise erhöhen – oder Energieverbrauch senken?
Für viele Unternehmen scheint die erste Reaktion naheliegend: steigende Kosten über höhere Zimmerpreise weitergeben. Doch genau hier liegt das strukturelle Risiko.
1. Preise erhöhen: Nur begrenzt möglich – und strategisch riskant
In einem wettbewerbsintensiven Markt lassen sich steigende Kosten nicht beliebig auf den Gast umlegen:
- Regionale Konkurrenz mit modernerer Technik hat Kostenvorteile
- Höhere Preise senken Auslastung – und verschärfen das Problem erneut
Kurz gesagt: Ein Unternehmen kann CO₂-Kosten nicht einfach „durchreichen“, ohne Marktanteile zu riskieren.
2. Energieeffizienz: Der einzig nachhaltige Hebel
Im Gegensatz zu Preisen lassen sich Energiekosten strukturell und dauerhaft senken – und damit auch die CO₂-Belastung.
Der entscheidende Punkt: Jede eingesparte Kilowattstunde reduziert gleichzeitig
- Energiekosten
- CO₂-Emissionen
- künftige CO₂-Abgaben
Energieeffizienz wirkt dreifach – Jahr für Jahr.
3. Rechnen sich Energiemaßnahmen überhaupt?
Ja – gerade unter steigenden CO₂-Preisen immer schneller.
Typische, wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen im Hotelbetrieb:
- Austausch alter Heiztechnik (Gas → Wärmepumpe / Hybrid)
- Wärmerückgewinnung aus Lüftung, Küche, Abwasser
- Photovoltaik für Eigenstromnutzung
- Lastmanagement & intelligente Regelung
- Optimierung von Warmwasser und Speichertechnik
Bereits 10–20 % weniger Energieverbrauch bedeuten im Beispiel:
- Einsparung von 330.000–660.000 kWh pro Jahr
- Reduktion von 87–173 t CO₂ jährlich
- Vermeidung von 7.000–26.000 € nur CO₂-Kosten pro Jahr (je nach Preisniveau)
- Zusätzlich: direkte Einsparung bei Strom- und Gasrechnung
Mit Förderprogrammen (z. B. BAFA, BEG, Transformationspläne) liegen Amortisationszeiten oft bei 3–7 Jahren – deutlich unter der technischen Lebensdauer.
4. Strategische Entscheidung: Reagieren oder vorausgehen?
Ab 2027 wird der CO₂-Preis kein theoretisches Thema mehr, sondern eine feste Kostenposition in der GuV.
Hotels stehen vor drei Optionen:
- Abwarten
→ schrumpfende Margen, steigender Preisdruck, Wettbewerbsnachteil - Preise erhöhen
→ begrenzter Spielraum, Risiko sinkender Auslastung - Energieverbrauch senken
→ stabile Kostenbasis, höhere Resilienz, bessere Wettbewerbsfähigkeit
Fazit
CO₂ wird zu einem neuen Fixkostenblock.
Wer ihn ignoriert, verliert Marge.
Wer ihn einkalkuliert, verliert Preisflexibilität.
Wer ihn reduziert, gewinnt Handlungsspielraum.
Ein strukturiertes Energieaudit und ein darauf aufbauender Transformationsplan sind damit kein „Nice-to-have“, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit – lange bevor der erste ETS-2-Bescheid ins Haus flattert.




